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26.08.10

Zwei Brandanschläge innerhalb einer Woche auf alternative Wohnprojekte in Dresden

Am 19. August wurde der mitlerweile zehnte Brandanschlag in diesem Jahr durch Nazis in Sachsen verübt. Die Betroffenen rufen jetzt zur Solidarität auf:

NAZITERROR STOPPEN!
Solilarität mit den Betroffenen
Spontandemo am 26.08., 18:30 Uhr, Puschkinplatz, Dresden

Nachricht breit streuen & alle hinkommen!


Zwei Brandanschläge innerhalb einer Woche auf alternative
Wohnprojekte in Dresden

In der Nacht zum 19. August versuchten bisher Unbekannte das Wohnprojekt
„Praxis“ in Dresden-Löbtau in Brand zu stecken. An einem Fenster im
Erdgeschoss wurde das Feuer gelegt, im Zimmer schlief in dieser Nacht
allerdings niemand. Nur diesem glücklichem Umstand, der schnellen
Reaktion der Hausbewohner_innen und der Alarmierung der Feuerwehr durch
Nachbar_innen, ist es zu verdanken, dass keine Verletzten zu beklagen
sind. Die Flammen konnten erst nach der Evakuierung des Hauses durch die
Feuerwehr gelöscht werden. Die „Praxis“ steht bereits seit längerem im
Fokus der lokalen Naziszene und wurde mehrfach angegriffen. Nur wenige
Tage zuvor wurde mit einer Mülltonne ein Fenster eingeworfen, im
Zusammenhang mit dem 13. Februar versuchte eine Nazigruppe das
Hausprojekt zu attackieren.

A.S.H. | 11:20


16.08.10

Salzburger Anschauungen

von Jürgen Schneider

36 Poller, 36 Gurken
– Salzburger Anschauungen 1

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Salzburg-Souvenirs © Jürgen Schneider

Zum Sommeranfang schnürlregnete es in Salzburg. Neu war in der Prä-Festspielzeit nur das Thema Poller. Seit knapp drei Jahrzehnten ist die Altstadt »Fuzo«, also Fußgängerzone, doch das hinderte automobile Besucher des Traditionscafés Tomaselli keineswegs daran, mit ihren Protzkarossen zum Sachertortenschmaus zu fahren. »Die Altstadt ist frei«, verkündete Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden am 21. Juni, als er die Altstadtumzingelung durch 36 Poller freigab, »zum Schutz des Weltkulturerbes vor den illegalen ›Kaffeefahrten‹.« Schon am nächsten Tag umringte eine Schulklasse am Festspielhaus einen zu Schaden gekommenen Poller. Die Kutscher waren zunächst not amused, scheuten doch deren Gäule vor den per elektronischem ›Kastl‹ auf und nieder zu fahrenden phallischen Autosperren. Den Vorschlag, die Tiere zum Sprungtraining in die Wiener Reitschule zu schicken, schlugen sie in den Wind.

A.S.H. | 17:01


06.08.10

RECORDED FUTURE, IN-Q-TEL, DIE CIA UND GOOGLE

NACHTRAG ZUM WOCHENANFANG

In welche Funkzelle hast du dich wann mit deinem Mobiltelefon eingewählt,
an welcher Tankstelle mit ec-Karte bezahlt,
welches Buch aus welcher Bibliothek ausgeliehen,
wann wurdest du durch eine Videokamera auf welchem Bahnhof erfaßt,
wo hast du zu welcher Zeit dein Demonstrationsrecht wahrgenommen und wurdest von der polizeilichen Dokumentationsgruppe aufgenommen,
welche Internetseite hast du dir wann wie lange angeschaut,
welche Zeitungen abonniert,
welche Banküberweisungen veranlaßt,
usw. usf.
Das ist die Gegenwart.
Das war die Vergangenheit: Die Stasi hat Informationen gesammelt und gesammelt. Hat es genutzt, um den Untergang des Staates zu verhindern, für dessen „Ordnung und Sicherheit“ der Geheimdienst aufgestellt war? Natürlich ist das eine rhetorische Frage. Wir meinen ohnehin, er hat mit seinem Tun zum Untergang des Staates beigetragen.

Heute ist es nicht anders: „Demokratisch kontrollierte“ Polizei und Geheimdienste sammeln Informationen über ihre Bürgerinnen und Bürger, jede und jeder ist potentieller Feind des Staates, der sich schützen muß, damit es so bleibt, wie es ist.
Wie die riesigen Berge von Informationen zusammentragen, auswerten, miteinander verknüpfen, analysieren? Ein Riesenproblem für die paranoiden Demokratie- und Verfassungsgegner.
Ein hörenswertes Interview gab es am Montag auf Deutschlandradio Kultur mit Frank Rieger vom CCC (Chaos Computer Club):
Unterm Audiolink in der Überschrift ist das Interview (8:34 min) ebenso nachzuhören, wie der dem Interview vorausgegangene Einführungsbeitrag (1:42 min).

david | 16:27


05.08.10

“Me Too” von Alvaro Pastor und Antonio Naharro

Zwischen den Welten

Von Angelika Nguyen

Die Geschichte zwischen Daniel (Pablo Pineda) und Laura (Lola Duenas) beginnt mit einem typischen Vorurteil. Sie, als Mitarbeiterin einer Behörde für behinderte Menschen, fragt ihn, wo er seine Eltern gelassen habe. Denn Daniel hat das Down Syndrom. Für Laura ist Daniel, obwohl er 35 Jahre alt ist, ein Kind. Was sie noch nicht weiß, ist, dass Daniel der neue Mitarbeiter ist, mit einem Universitätsdiplom in der Tasche.
Die Konfrontation ist ein schöner Anfang für eine Liebesgeschichte, die weder auf asexuelle Weise “herzlich” (Presseheft) noch übertrieben optimistisch erzählt wird. In der täglichen Arbeit haben Daniel und Laura Zeit für Beobachtungen, Zeit für gemeinsames Kopieren, Zeit für Fragen, für gemeinsames Lachen.

david | 21:07


19.07.10

Das ewige Winterkind unter Winterkindern

schappy-halle-1.jpg

Ich habe gedacht, wenn ich mich schreibend verschenke, entfliehe ich dem Teufelskreis der Erinnerung. Schreibend bin ich tiefer ins Erinnern hineingeraten als mir lieb ist.

Peter Wawerzinek erhielt den Ingeborg-Bachmann-Preis 2010. Happy sind alle Freunde und Bewunderer von ScHappy, wie sich Peter Wawerzinek, geboren 1954 als Peter Runkel, seit den 1980er Jahren nennt. Happy über seine Auszeichnung.

natter | 17:13


12.07.10

Fußball und Politik

Das ZDF veröffentlichte nur wenige Minuten nach dem WM-Halbfinalspiel Deutschland gegen Spanien am 7. Juli einen Text über „Spaniens neues Verhältnis zur Nationalelf“, der wenig über Spanien, viel aber über die deutsche Verarbeitung einer Fußballsport-Niederlage, über deutsche Sehnsüchte und Projektionen erzählt.

Fußball „ … als verbindendes Glied in dem regional zersplitterten Staat … Einheit herstellende Symbole … Symbol eines neuen Nationalstolzes …“. Der EM-Titel und die Erfolge im Fußball nach 2008 hätten „ … einen ähnlichen Effekt wie die Austragung der Fußball-WM 2006 in Deutschland …“ gehabt. Ob in Barcelona oder in Bilbao, in Madrid, Valencia oder in Málaga, alle würden sich als Spanier fühlen. Die spanische Elf wirke „ … als Balsam gegen die Wirtschaftskrise …“ und führe „ … eine zerstrittene Nation zusammen“.

Eine Nachricht vom Sonnabend (10. Juli) stellt den Realitätsbezug wieder her:
Nachdem das spanische Verfassungsgericht gerade zentrale Teile des neuen Autonomiestatuts Kataloniens aufgehoben hatte, demonstrierten am Samstag (die Fußball-WM war noch nicht beendet) in Barcelona 1,5 Millionen (!!!) Menschen für das Selbstbestimmungsrecht Kataloniens, auf den Transparenten war zu lesen: "Catalonia. The next state in Europe", "Adéu Espanya" ... Ein ca. 7minütiger Filmbericht unter youtube; am Ende des Beitrages fahnenschwenkende Katalanen in Berlin.
Während die Fußballstimmung in Spanien vor dem WM-Endspiel immer wieder mit neuen Bildern nach Deutschland transportiert wurde, ist die größte Demonstration seit Jahrzehnten dem ZDF keine Meldung wert.

Nachtrag:
Die Zeitschrift konkret führt seit einiger Zeit eine Chronik zu Übergriffen aus dem ganz normalen "Fußball-Deutschland"

david | 15:04


Der Terror hat ein Ende

Das Ermittlungsverfahren gegen Andrej wurde endlich eingestellt.

http://annalist.noblogs.org/post/2010/07/11/einstellung

A.S.H. | 01:09


11.07.10

Klaus Wagenbach zum 80.

In einem Bücherschrank meiner Mutter standen die Quarthefte aus dem Wagenbach-Verlag mit den Gedichten, Balladen und Hetzliedern des unabhängigen Kommunisten Wolf Biermann. Da standen die „Tintenfische“ und „Freibeuter“, da stand Erich Fried und Peter Brückner ... Mir, in den 70er Jahren in Berlin – Hauptstadt der DDR, wurde auch beim Lesen der Wagenbach-Bücher deutlich: In der Bundesrepublik gibt es nicht nur „Demokraten“, wie Hans-Ulrich Werner, Dr. Otto Dippelhofer oder Dr. Heinz Reinefarth, wie Erwin Schule und Dr. Heinz Günter Lell, Ulrich de Maizière und Hans Speidel, Theodor Oberländer und Hans-Maria Globke, Hans Filbinger und Wilhelm Johanningmeier usw. usf., die die bundesdeutschen 50er und 60er Jahre prägten. Sondern, es gab auch dort die, die gegen Autoritäres aufbegehren, die, die sich wehren gegen Lüge und Repression, die von einer herrschaftsfreien Gesellschaft träumen und dafür kämpfen, daß sie Wirklichkeit wird, die von „Freiheit“ ein anderes Verständnis haben als die Vertreter der Staatsgewalt, die dieses Wort immerfort in ihren Reden führen.
Weil die Wahrheit für die Herrschenden so unerträglich ist (egal ob Ost, ob West) wurde er in Westberlin immer wieder mit politischen Prozessen überzogen – z.B., weil er die Erschießung Benno Ohnesorgs durch den Polizisten Kurras „Mord“ nannte. Weil er Biermann weiterhin verlegte, konnte er einige Jahre nach Ostberlin nicht einreisen (nachdem dieser "im Westen" war, suchte er sich einen unpolitischen Verlag).
Das ist alles schon einige Zeit her und in einigen Interviews im Internet nachzulesen.
Die „Springerpresse“ meint mit ihrer „Welt“, es gäbe doch „…inzwischen Gründe genug, linke Gewissheiten zu überprüfen, ja zu verabschieden“. Wagenbach wurde nämlich nicht zum Opportunisten, zumal er nicht vergessen hat, was „Springerpresse“ in den 60er Jahren in Westberlin bedeutete.
Im Kampf „Staat gegen Bücher“ und "Unterdrückung von Kritik" war der Wagenbach-Verlag nicht klein zu bekommen.
Herzlichen Glückwunsch!

david | 00:40


Stummer Protest gegen die Todesstrafe im Iran

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Salzburg, 10.07.2010, Foto: Jürgen Schneider

Michal Stachura | 00:12


10.07.10

Der Erfinder der »Irischen Autobombe« entschuldigt sich

irish car bomb t-shirt.jpg

von Jürgen Schneider

Herrn Charles Burke Cronin Oat gehörte einst der Wilson’s Saloon in Norwich im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut. Er stand dort auch höchstselbst hinter dem Tresen und experimentierte mit geistigen Getränken.

Man schrieb das Jahr 1979. Oat zeigte sich nicht zufrieden mit seinem Drink namens ›Großvater‹, der grob aus einer halben Unze des irischen Sahnelikörs Baileys (der in der Irisch-Republikanischen Armee wegen des Sahneanteils als »Mädchendrink« galt, aber das Lieblingsgetränk ihres einstigen Stabschefs Seamus Twomey war) und einer Viertel Unze des mexikanischen, aus Kaffee, Zuckerrohr und Vanille bestehenden Kaffeelikörs Kahlúa bestand. Irgendetwas fehlte dieser Mixtur. Oat griff ins Schnapsregal, fügte einen kräftigen Schuss des irischen Whiskeys Jameson hinzu und rief dem harten Kern über den Gläsern zu: »Schaut, die IRA tritt auf den Plan!« Im Glas ereignete sich eine kleine Explosion, und die Likör-Whiskey-Mischung schäumte über den Glasrand. ›Großvater‹ war tot, die ›IRA‹ geboren.

Michal Stachura | 11:33


 
 
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